von Lot Vekemans
aus dem Niederländischen von
Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach
Ort der Handlung im Stück der meistgespielten niederländischen Autorin Lot Vekemans, ist das Haus des pensionierten ehemaligen Ingenieurs Richard,
gelegen in einem umzäunten Viertel für ängstliche Reiche. Auch Richards Tochter Helen muss den bewaffneten Sicherheitsleuten ihren Ausweis zeigen, als sie ihrem Vater ein paar Einkäufe vorbeibringt. So selten, wie Helen ihren Vater besucht, können die Wachleute sie ja kaum kennen. Helen sagt ihrem Vater offen, dass sie nicht gern kommt und ihn schon gar nicht pflegen möchte. Darum bittet er sie nämlich, denn er wird bald erblinden und aus irgendeinem Grund hat er zudem seine Haushälterin entlassen …
Kann Helen ihre Ablehnung gegen den autoritären, libertär eingestellten Vater ablegen? Kann Richard an diesem existenziellen Punkt seines Lebens selbst
aus seiner Haut kommen? Das ist der Ausgangspunkt eines ähnlich spannenden Diskurses mit glasklaren, brillanten Dialogen, wie bei Vekemans letztem Stück „Gift“, das hier beim Hamburger Theaterfestivals 2014 zu sehen war. Vekemans gelingt wieder ein grandioses Familiendrama, eine aufregende Auseinandersetzung zwischen zwei Generationen. Und sie erzählt dabei auch eine Geschichte über Rassismus und entwirft eine Metapher für die gegenwärtige Abschottung Europas.