Lesung und Gespräch mit Mirko Bonné
„Das Wort kann sich nach Belieben vom Ding entfernen. Muss nicht immer Sprache können. Es wird dem Ding irgendwann wieder näherkommen, ja, vielleicht sogar überraschen“, schreibt Farhad Showghi in einer Art Klappentext zu seinem neuen Gedichtband, der sich auch unauffällig zwischen seine Gedichte schmuggeln ließe. Der Hamburger Arzt und Dichter weist damit den Weg für eine Einordnung seines Schreibens als phänomenologischen Erkenntnisprozess, der darauf abzielt, unser unmittelbares Erleben einzufangen, befreit von all den Einklammerungen, von Annahmen, Erfahrungen und Vorurteilen die uns im Alltag den Blick verstellen. Das klingt abstrakt und wird in diesen teils rhythmisch-musikalischen, teils zur Prosaminiatur tendierenden Gedichten doch ganz konkret und in „Silbennähe“ durchgetaktet. Man muss weder Lacans Credo vom „Unbewussten“, das strukturiert ist wie eine Sprache“ kennen, noch Positionen der poststrukturalistischen Lyrik, um seine Gedichte schlicht als poetische Fassungen des Sagbaren lesen zu können. Und als solche sind sie hochaktuell, denn es kommt heute vermutlich mehr denn je auf Gegenmodelle zu einer von Fakten in all ihren Variationen konzentrierten Welt an. Farhad Showghi erobert die „Lufthoheit“ mit seinen neuen Gedichten immerhin schon einmal in der „näheren Umgebung“. In all ihrer Erscheinungsvielfalt.
In einer Lesung und im Gespräch mit dem Schriftsteller Mirko Bonné, der auch die Moderation des Abends übernimmt, werden die bewegenden phänomenologischen Erkundungen vorgestellt.
Farhad Showghi wurde 1961 als Sohn einer deutsch-tschechischen Mutter und eines iranischen Vaters in Prag geboren und lebt seit 1989 in Hamburg. Sein bisheriges Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis.