stellen ihre neuen Romane »Zugwind« und »Das glückliche Schicksal« vor
IRYNA FINGEROVA & MATTHIAS NAWRAT
stellen ihre neuen Romane »Zugwind« und »Das glückliche Schicksal« vor
»Ich habe eine Tochter, einen Ehemann, ein Zahnimplantat und Cellulite am Hintern.« Die Protagonistin, die sich in Iryna Fingerovas Roman »Zugwind« (Rowohlt; Übersetzung: Jakob Walosczyk) so unverblümt vorstellt, ist Mira Zehmann, eine aus der Ukraine stammende Haus-ärztin in Deutschland. Als in ihrer Heimat Krieg tobt, wird ihre Praxis zur Anlaufstelle für entwurzelte Menschen aus der Ukraine, die mehr von ihr wollen als Rezepte und Tabletten. Sie suchen Trost, eine Gemeinschaft, in der sie die Gräuel verarbeiten können. Doch Mira spürt einen Zugwind durch sich hindurchwehen und macht sich auf nach Odesa. Ein mutiges und mutmachendes Buch, das von der in Dresden lebenden Autorin erstmals teilweise auf Deutsch verfasst wurde.
Auch in Matthias Nawrats Roman »Das glückliche Schicksal« (Rowohlt) geht es um die europäische Geschichte: Es ist das Jahr 1983, an den Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ist noch nicht zu denken. Die polnische Psychologin Wanda Karowska fährt von Krakow nach Venedig, um den dort seit Jahren im Exil lebenden Soziologen Henryk Mrugalski zu treffen. Die beiden geben einander nichts und was als Gespräch beginnt, ähnelt bald immer mehr einem Verhör. Für den Roman wurde Matthias Nawrat mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet. Die Jury lobte vor allem »das Beziehungsgeflecht hinter den Bruchstücken unserer Wirklichkeit, die unsichtbaren Linien, die von der Vergangenheit in die Gegenwart führen«.
Moderation: Dmitrij Kapitelman
Foto (Fingerova) (c) Max Zerrahn
Foto (Nawrat) (c) Alena Schmick