stellt ihren neuen Roman »Die Liebeshungrigen« vor
KARINE TUIL
präsentiert ihren neuen Roman »Die Liebeshungrigen«
»Ein Leben ohne Sex erschien ihm unmöglich. Es war nicht nur qualvoll, sondern auch gefährlich. Das gesamte menschliche Leben spannte sich doch zwischen zwei Punkten auf, der Geburt und dem Tod. Dazwischen bot lediglich der Sex eine ernstzunehmende Alternative zum Suizid.« Solche existenziellen Knallersätze gibt es viele in Karine Tuils neuem Roman »Die Liebeshungrigen« (dtv, Übersetzung: Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch), in dem sich die französische Autorin mit literarischem Skalpell die Verflechtungen von Macht, Öffentlichkeit und Intimität vornimmt. Dan Lehman ist kurz nach seiner Präsidentschaft politisch und persönlich erledigt: Manisch checkt er die Bestsellerlisten, auf denen seine Marx-Biografie talwärts trudelt. Derweil schwingt sich seine Noch-Ehefrau mit der Verfilmung des Megasellers seiner Ex-Gattin in die Höhen des Festivals von Cannes auf.
Vielleicht kommt einem dieser Protagonist vage bekannt vor. Auf jeden Fall geht es in Tuils elegantem wie analytischem Roman um Identität, Inszenierung und emotionale Abhängigkeit im Zeitalter medialer Dauerpräsenz – ein Thema, das nicht nur im Élysée-Palast hohe Wogen schlägt. Die 1972 geborene Karine Tuil ist in Frankreich ein Literaturstar und zeichnet in ihrem dezidiert politischen, zeitdiagnostischen elften Roman das Porträt einer Gesellschaft, in der private Beziehungen unauflöslich mit öffentlicher Wahrnehmung verwoben sind.
Moderation: Angela Spizig
Deutsche Lesung: Karoline Eichhorn