»Lieber Gott – voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Habe ich nun wirklich heilige Musik gemacht, oder doch vermaledeite Musik?«, schrieb Gioachino Rossini in die Partitur seiner »Petite messe solennelle«. Heutzutage ist vor allem die Bearbeitung für Chor und Orchester bekannt, doch eigentlich hatte der Komponist eine deutlich kleine Besetzung im Kopf.
Die später entstandene Orchesterfassung kostete Rossini einige Überwindung und diente vor allem einem Zweck: seine ursprünglich »kleine« Messe mit ihren »paar Singstimmen« vor allzu pompösen Bearbeitungen durch Adolphe Sax oder Hector Berlioz zu bewahren. Die Erstfassung offenbart eine innige, facettenreiche Klangsprache. Das zeigt sich bereits an der Chorbesetzung: Nicht nur ist das Vokalensemble klein gehalten, die Singstimmen bestanden zudem aus Frauen, Männern und Kastraten. Begleitet werden sie ausschließlich von zwei historischen Klavieren und einem Harmonium.
Die farbenreichen Nuancen der Partitur wird durch die kammermusikalische Besetzung und der spezielle Klang historischer Instrumente hervorgehoben. Getragen wird der Chor vom bald prächtig-orchestralen, bald feinen, sich ätherisch mischenden Ton der beiden französischen Konzertflügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie des historischen Harmoniums. Diese homogene Originalbesetzung erlaubt es, Rossinis differenzierte dynamische Angaben nicht nur als Lautstärke, sondern als Ausdruck innerer Bewegung zu realisieren: als Staunen, tiefe Ergriffenheit und demütige Bitte – als Musik der Stille.
Wer diesen Klang erlebt, hört die »Petite messe solennelle« so, wie Rossini sie erdacht hat: nicht als pompös-aufbrausende Messkomposition, gar als pathetische »Oper in der Kirche«, sondern als sein ganz persönlicher, inniger Dank für ein erfülltes Leben.
BESETZUNG
Tölzer Knabenchor Chor
Lydia Teuscher Sopran
Terry Wey Countertenor
Aco Bišćević Tenor
Frederic Jost Bass
Christoph Hammer Klavier
Shenglong Li Klavier
Joachim Diessner Harmonium
Christian Fliegner Leitung
PROGRAMM
Gioachino Rossini
Petite messe solennelle