1. Abend: Vorstellung der Denkschrift im Ganzen
Anne Schürmann, Prädikantin Petra Roedenbeck-Wachsmann und Dr. Bernd Vogel, Pastor i. R. (Egestorf)
Hinter dem Titel der Friedensdenkschrift des Rates der EKD: „Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick“ öffnen sich knapp 150 Seiten intensiver Auseinandersetzung mit der derzeitigen politischen Weltlage unter dem Anspruch, „die friedensethische Urteilskraft zu stärken“ und das „Leitbild“ des Gerechten Friedens, das „erstmalig“ in der EKD in der Denkschrift des Jahres 2007 ausgearbeitet worden ist, zu „aktualisieren und konkretisieren“.
Die Denkschrift will Orientierung für „zentrale Themen unserer Zeit“ geben. Insbesondere befasst sie sich mit „friedensethischen Güterabwägungen in Bezug auf konventionelle und nukleare Abschreckung, Waffenlieferungen, Wehr- und Dienstpflicht, die Herausforderungen hybrider Kriegsführung und Terrorismus.“ Die Denkschrift lädt explizit dazu ein, „Fragen neu zu stellen, die eigenen Positionen zu prüfen und das Gewissen zu schärfen.“ Die „Kirche“ sei allerdings keine „politische Entscheidungsinstanz“, sondern begleite „das öffentliche Ringen um Orientierung mit theologischer Stimme“.
Eine evangelisch-ethische Stellungnahme zielt darauf, „Einzelne in verantworteter Zeitgenossenschaft zu einem begründeten Urteil zu befähigen“, kann aber „nie eine überzeitlich gültige Antwort“ zu Fragen der Friedensethik geben.
Die Denkschrift hat ein breites, auch kritisches Echo sowohl innerkirchlich als auch in der politischen Öffentlichkeit gefunden. Die FAZ titelte unmittelbar nach der Veröffentlichung „Die Evangelische Kirche bricht mit ihrer Friedensethik“. „Besonders pazifistische Kreise in der evangelischen Kirche werden mit dieser Denkschrift ihre Schwierigkeiten haben“ konstatiert die SZ; unter dem Titel. „Wir Zweitschlag-Christen“ geißelt Michael Trowitzsch „die Naivität der neuen Friedensdenkschrift“ in „Zeitzeichen“. Der Vorstand der Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung nimmt die Denkschrift „erschüttert zur Kenntnis“ und Ines-Jaqueline Werkner, Leiterin des Arbeitsbereiches Frieden bei der FEST in Heidelberg, schreibt, die „evangelische Kirche“ habe „in dieser sicherheitspolitisch prekären Zeit eine Chance vertan“. Der Friedensbeauftragte Friedrich Kramer sagt, er sehe das Papier als Doppel- und nicht als Endpunkt.
Das wollen wir wörtlich nehmen, indem wir uns an drei Abenden mit der Denkschrift eingehend befassen.
Leitung
Prädikantin Petra Roedenbeck-Wachsmann