Die Spitzengardinen sind beiseitegezogen, das gute Geschirr im Karton verstaut. Eine junge Frau und ihre Großmutter sitzen zwischen den Dingen, die von einem Leben übrig geblieben sind. Gemeinsam versuchen sie, das Unbegreifliche zu fassen und sich noch einmal zu erinnern: an gemeinsame Ausflüge, den Wald vor der Tür, an alte Mythen und Omas magische Gute-Nacht-Geschichten. Sie geben sich ihren Fantasien hin, spielen mit Erinnerungen und nehmen einander an die Hand, um alte wie neue Brandherde zu entfachen. Lebenslustig stellen sie sich dem Schmerz und der Trauer. Doch wie kann man sich an den Körper eines Menschen erinnern? Wie an eine Stimme? Und warum tut Abschiednehmen eigentlich so verdammt weh?
Kaija Knauers Dramentext »Zünzle« erzählt von den Verbindungen, die uns in der Welt halten, von der Frage, was angesichts des Verlusts von einem selbst noch bleibt – und von einer ganz besonderen Beziehung.
Ihr Text wurde für den Preis für junge Dramatik am Staatstheater Braunschweig nominiert und durch die Wiener Wortstätten gefördert. Regisseur Ilario Raschèr schloss 2024 sein Regiestudium an der HFMT Hamburg ab und bringt ihren Text erstmals auf die Bühne.