Der eigene Tod Theater

  • Der eigene Tod
    © Maris Eufinger, 2024

von Péter Nádas / Deutsch von Heinrich Eisterer. Regie: András Dömötör.

Fast protokollarisch, präzis und poetisch beschreibt der preisgekrönte ungarische Autor Péter Nádas, was der Titel benennt: den eigenen Tod. Nur knapp überlebt er einen Herzinfarkt. Im Schwebezustand zwischen Diesseits und Jenseits begegnet ihm „der/die/das Andere“ in sich. Sich selbst ganz entfremdet erfährt er das Erlöschen des Denkens – und sein Wiedereinsetzen. Nur Zusammenhang und Kontinuität zu allem, was bisher war, scheinen verloren. „Deine einstigen Erlebnisse schweben im All der Zeitlosigkeit als Schatten von Planeten mit dir.“ Einer der größten Autoren des 20. Jahrhundert berichtet in diesem knappen Essay auf einzigartige Weise von einem Zustand, dessen Auswirkungen sein bisheriges Leben, aber auch seine Arbeit als Schriftsteller nachhaltig erschüttern. Was diesem maximal persönlichen Text zusätzlich eine ungeheure Aktualität verleiht: Nádas schildert beängstigend lebensnah, wie lange und hartnäckig er die Symptome ignoriert, wie er mit ungeheurer Anstrengung den Schmerz und die Schwäche wegdrückt, bis buchstäblich in den Tod. Und weiter zurück, an den Anfang, den Moment der Geburt, 1942, Budapest.

„Nach dem Tod“: Gespräch über Péter Nádas'

Im Anschluss an die Wiederaufnahme von »Der eigene Tod« am 22/10 wird es ein Gespräch zum Tod von Péter Nádas geben. Eingeladen sind Iris Radisch, die ein längeres Interview mit dem Autor über „Der eigene Tod“ geführt hat, und der Regisseur András Dömötör, den eine Freundschaft mit Nádas verband. Moderieren wird Dramaturg Ralf Fiedler. Wir möchten Nádas' Beschreibung des „Danach" nachhorchen und uns dieser einzigartigen Person annähern, deren Leben mitten im Krieg begann und jetzt in unruhigen Zeiten geendet hat.

„Jetzt also trete ich ab, das war tatsächlich mein Gedanke. Ich wusste, wenn ich diese Grenze zwischen Dunkelheit und Licht überschreite, gibt es kein Zurück mehr“ - schreibt Nádas 2002 über die Erfahrung eines Herzstillstands. Worte wie Glückszustand und Transzendenz ohne Gott fallen, die Erfahrung erschüttert ihn tiefgreifend, verändert in der Folge sein Schaffen und die eigene Sicht darauf. Am 26/8/2026 ist Péter Nádas „tatsächlich“ an Herzversagen gestorben.

Geboren wurde Péter Nádas am 14/10/1942 in Budapest, als Ungarn Kriegsverbündeter des Dritten Reichs war. In der Geburtsurkunde stand ein falscher Nachname. Mit acht erfuhr der protestantisch Getaufte von seiner jüdischen Herkunft, mit sechzehn war er Vollwaise. Nach dem Krieg gehörten seine Eltern zur kommunistischen Nomenklatura, bis sie unter die Räder des Rákosi-Regimes gerieten, der Vater nahm sich deshalb nach dem Krebstod der Mutter das Leben. Nádas ließ sich nach einem abgebrochenen Chemiestudium als Fotograf ausbilden, arbeitete über lange Jahre als Fotoreporter und Journalist, eine Tätigkeit, die er nach dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings aufgab. Es begann die Arbeit an seinem ersten literarischen Buch Ende eines Familienromans (deutsch 1979), dessen Erscheinen von der Zensur und einem Publikationsverbot jahrelang verhindert wurde.

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