Dramatisierung von Lucien Haug
Hard Times entfaltet die industrialisierte Welt des 19. Jahrhunderts anhand eines Panoramas der düster-rauchenden Stadt Coketown. Der nüchterne Bürger und Schulgründer Gradgrind erzieht seine Kinder Luisa und Tom nach dem Prinzip der reinen Vernunft. Mit ihnen wächst das warmherzige Zirkusmädchen Sissy auf. Luisa heiratet pragmatisch und lieblos den selbstgefälligen Banker Josiah Bounderby. Tom, der zunehmend verroht, gerät auf die schiefe Bahn. Auch ehrliche Fabrikarbeiter*innen wie Stephen Blackpool und die Weberin Rachael werden zermahlen von einem System, das weder Not noch Moral oder Würde kennt. Und die Stadt? Sie pulsiert im Rhythmus der Maschinen, während die Menschen beginnen, diese Ordnung zu hinterfragen und – müde und einsam – gegen Unrecht und Armut aufzubegehren.
Charles Dickens erzählt eine Geschichte von kühlem Profitdenken, sozialer Ungleichheit und zwischenmenschlicher Entfremdung. Er zeichnet eine Welt, in der Gefühle als Schwäche gelten und nur zählt, was messbar ist: Tatsachen, Fakten und Nutzen. Schwere Zeiten für jede einzelne der vielen Figuren, die an der Kälte dieser bürgerlichen Ideologie zerbrechen – aber auch die Chance für eine zarte, starke Kraft, die in ihnen allen steckt, sich dagegen aufbäumt und Hoffnung gibt: die Sehnsucht des Menschen nach Kreativität, Herzenswärme und Verbundenheit.
Regisseur Antú Romero Nunes wirft einen liebe- und humorvollen Blick auf eine Gesellschaft, die Zahlen über Herzen stellt – und begibt sich musikalisch und mit großem Ensemble auf die Suche nach Phantasie, Empathie und Solidarität.