Die Ausstellung im Schloss Reinbek zeigt Malerei, Skulptur und Grafik von Heike Fischer-Nagel
Ausstellungszeitraum: 06. September - 01. November 2026
„Verletzlichkeit ist kein Mangel, sondern die elastische Grundsignatur unseres Seins.“– Giovanni Maio
In der Verletzlichkeit schwingt ein permanenter Zustand der Schwebe – ein leiser, ungesicherter Raum, in dem sich eine doppelte Bewegung vollzieht: das Aufbrechen des Vertrauten, das Bewusstsein für ein mögliches Scheitern,– und zeitgleich das Aufkeimen für einen mutigen Sprung in die innere Wandlung, hin zu einer tiefen Offenheit.
Dieser Schwebezustand der Verletzlichkeit berührt zutiefst mein Kunstschaffen: Es wird bestimmt durch das sensible Wahrnehmen einer anderen, inneren Wirklichkeit. Im Dialog mit vielschichtigen Materialien und im Zulassen von Unvorhersehbarem entstehen feine Momentaufnahmen; ein fortwährendes Ausloten von Vorstellungskraft, Erinnerung und emotionalem Ausdruck in der Schwebe. Es ist das bewusste Annehmen einer vielschichtigen Verletzlichkeit als grundmenschlichem Zustand.
Die gezeigten Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, experimentellem Siebdruck und der plastischen Kraft von Stein und Holz. Hier entfaltet sich eine Spanne von expressiver Figürlichkeit bis hin zu freier Form. Zwischenräume entstehen – Übergangszonen zwischen Realität, poetischer Fiktion und innerer Vorstellung.
In bildnerischen Zwischenreichen vom Werden und Vergehen verweilen die Figuren oft als Reisende, Wartende oder Suchende. Scheinbar auf Zukünftiges gerichtet, bewegen sie sich durch ungeklärte Orte, eingebettet in surreale Landschaften. Vertraute Umgebungen der Natur werden unmerklich umgedreht.
Aus den Figuren der Kunstwerke spricht eine ganz eigene Würde: Sie sind verletzlich und von unaufdringlicher Kraft, gebrochen und doch voll leiser Hoffnung. Hier eröffnen sich spürbare Resonanzräume – das „Sich-Verorten-Wollen“ erweist sich darin als eine Art Ankommen und Wiederabreise.
Vielleicht deutet sich eine Stärke des Menschlichen weniger in dem Bestreben nach starrer Unversehrtheit an, als vielmehr im behutsamen Durchlässig-Werden. Die gezeigten Arbeiten machen diese Berührbarkeit erfahrbar und nehmen dem Verletzlichen seine Schwere: Es entsteht ein feines Geflecht, das uns füreinander öffnet und im Gegenüber ein Stück von uns selbst erkennen lässt.
In der Schwebe verliert die Ungewissheit ihre Bedrohung, unsere Verletzlichkeit lotet sich aus zwischen Erstarrung und Öffnung. „In der Schwebe atmen“ ist ein behutsames Andocken an das Leben - ein Atmen in der Wandlung.
„Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug.“– Hilde Domin
Zur Vernissage am 06.09.26, 12:30 Uhr ist der Eintritt frei.
Begrüßung und einführende Worte: Elke Güldenstein (Leiterin des Kulturzentrums Reinbek)
Musik: Jazz Duo, Harald Wenzel und Lars Kröger