Pose to Rose Ausstellungen

  • Pose to Rose
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Thorsten Brinkmann arbeitet an den Übergängen von Fotografie, Malerei, Skulptur, Film und Installation. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind häufig Fundstücke und gebrauchte Alltagsobjekte, die er aus ihren vertrauten Zusammenhängen löst und in überraschende neue Konstellationen überführt. Dabei verbindet er z.B. Gegenstände mit dem eigenen Körper, arbeitet mit Verkleidung, Pose und Inszenierung und entwickelt ein vielschichtiges Spiel der Verwandlung.

Mit großer Präzision, viel Humor und auch tiefem Ernst hinterfragt Brinkmann die kulturellen Zuschreibungen von Objekten, Körpern und Bildern. In der neuen Ausstellung wird Eros dabei zur treibenden Kraft und führt uns in ein Wechselspiel aus Zeigen und Verbergen, Körper und Objekt. Schon der Ausstellungstitel eröffnet dieses Spiel: Pose to Rose verbindet das Posieren mit dem Erröten und den Körper mit der Farbe Rosa – und verweist unter anderem auf Marcel Duchamp. Dessen Alter Ego Rrose Sélavy liest sich phonetisch als „Eros, c’est la vie“. Bei Duchamp entsteht
ein Schillern aus Identität und Maskerade, das Brinkmann in eine ganz eigene, zeitgenössische Bildsprache und in Sprachwitz übersetzt. Wie Duchamps objet trouvés verschieben auch in seinem Werk die Fundstücke die Trennschärfe zwischen Gebrauchswelt und Kunst, tragen dabei aber ihre eigenen Biografien sichtbar mit sich und gehen mit dem Körper völlig neue Beziehungen ein. Das Erotische ist hier kein Motiv, sondern Neugierde und die Lust an der Verwandlung.

In der fortlaufenden Serie Portraits of a Serialsammler (seit 2006) kombiniert Brinkmann seinen eigenen Körper mit gesammelten Fundstücken wie Mülleimern und Vasen, die aus dem Kontext ihrer Funktionalität herausgelöst zu Kostüm, Maske und Skulptur werden. Im Stil alter Meister scheinen darin Figuren anderer Epochen auf; Kostbares und Profanes, Pathos und Komik kommen zusammen. Der betrachtende Blick möchte erkennen, was er sieht und wird immer wieder auf etwas anderes verwiesen. Trotz Selbstinszenierungen ist der Künstler nie zu sehen. Eine neue Serie von
Polaroids (2026) macht diese Dynamik unmittelbar erfahrbar: Die Aufnahmen befinden sich hinter kleinen Vorhängen; wer sie betrachten will, muss selbst den Stoff anheben. Eros zeigt sich hier gerade im Moment des Entzugs: Das Sehen wird zu einer kurzen Choreografie aus Zurückhaltung und Annäherung, und das Enthüllen zum Teil des Bildes. 

Auf einem der Polaroids sind rosafarbene Beine im Detail zu sehen, ein Motiv, das zu einer weiteren Spur des Titels führt: Rosa, eine von Brinkmanns Lieblingsfarben, wird bei ihm jenseits etablierter Gendercodes völlig neu gelesen, zart und offensiv zugleich. Besonders deutlich zeigt sich dies in seinen Skulpturen, für die rosa bemalte Abgüsse seiner Hände oder Füße auf Fundstücke treffen und hybride Gebilde zwischen Person und Objekt bilden. Auch Aschdigone (2026) folgtdiesem Prinzip: Ein alter Spazierstock verwandelt sich zurück in ein Geäst – eine ebenso einfache wie absurde Umkehrung in das Lebendige, ganz im Zeichen von Brinkmanns Humor und seinem Interesse an einer fortwährenden Metamorphose der Dinge.

In der Galerie Mathias Güntner ist Thorsten Brinkmann seit über 20 Jahren präsent. Seine neuen, eigens für Pose to Rose entstandenen Arbeiten zeigen die ungebrochene Offenheit seines bildnerischen Vokabulars, eine hohe Präzision, große Kunstkenntnis und sprühen vor Humor. Bei Brinkmann ist keine Verwandlung endgültig, sondern immer schon der erfinderische Auftakt zur nächsten.?
Text: Luisa Fink                                ?


Thorsten Brinkmann (*1971 in Herne) studierte Visuelle Kommunikation in Kassel bei Floris M. Neusüss und Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Bernhard Johannes Blume und Franz Erhard Walther. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

Seine Werke wurden international in zahlreichen Institutionen gezeigt, darunter das ICP New York, das Andy Warhol Museum Pittsburgh, die Hamburger Kunsthalle, die Schirn Kunsthalle Frankfurt, das Gemeentemuseum Den Haag, Landesmuseum Münster, das Kunstmuseum Bonn, die Deichtorhallen Hamburg sowie die Helmut Newton Foundation in Berlin. Weitere Ausstellungen sind für 2026 in der Kunsthalle Bremen, im Emsland Museum und im Museum Morsbroich
angekündigt.

Brinkmann erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen. Unter anderem den Kunstpreis Finkenwerder (2011), er war Artist in Residence im Andy Warhol Museum 2012, Artist in Residence im Flanders Fields Museum (2014) und bekam 2020 den Merck-Preis der Stadt Darmstadt für Skurrile Fluchten - Humor in der Fotografie verliehen.

Seine Arbeiten befinden sich in internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen, unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, dem Fotomuseum Winterthur, dem Museum der Moderne Salzburg, der Bundeskunsthalle, Landesmuseum Münster, Sammlung Falckenberg und dem Museo Nacional de San Carlos in Mexiko-Stadt. Für den Privatsammler E. Mirapaul realisierte Brinkmann in Pittsburgh zudem mit La Huette Royal den Umbau eines gesamten Hauses zu einem begehbaren Gesamtkunstwerk, welches zu den Troyhillarthouses gehört. Seit 2024 befindet sich in der Hamburger Kunsthalle eine permanente begehbare Installation.  

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