lesen aus ihren Romanen »Museum der Indizien« und »Gavdos«
ULRIKE STERBLICH UND TOMER DOTAN-DREYFUS
lesen aus ihren Romanen »Museum der Indizien« und »Gavdos«
Ein merkwürdig lilaglänzendes Ei inmitten einer felsigen Insellandschaft ziert das Cover von »Gavdos« (Voland & Quist), dem Roman von Tomer Dotan-Dreyfus. Drei über einer Landschaft schwebende, in der Mitte geteilte Kugeln sind auf dem Titel des Buchs von Ulrike Sterblich zu sehen, »Museum der Indizien« (Rowohlt). Diese Romane scheinen miteinander zu kommunizieren: In beiden erzählen ihre Verfasser*innen von einer Wirklichkeit, die löchriger wird.
Bei Tomer Dotan-Dreyfus, in Haifa geborener Autor, Lyriker und Übersetzer, geht es um eine Gruppe russischer Wissenschaftler auf der griechischen Insel Gavdos, die angeblich Tschernobyl überlebt hat und sich deshalb unsterblich wähnt. Ebenso unterhaltsam wie abgedreht fragt der Roman, was wir gewinnen würden, wäre das Leben unendlich.
Die Berliner Autorin und Politologin Ulrike Sterblich nimmt sich den Millenium-Bug vor. In einem Immobilienunternehmen stößt der EDV-Kollege auf Ungereimtheiten, so dass sich schließlich Märchen und Mythen, Wahn, Inkompetenz und echte kriminelle Machenschaften zu einem stimulierenden Lesespaß verknoten. Mit viel Witz und Lust am Abgründigen erzählen beide Romane davon, wie verführerisch es ist, an etwas zu glauben, wenn die Welt keinen festen Halt mehr bietet.
Moderation: Sebastian Schirrmeister